Gruta das Torres : Bedeutendes Höhlen- & Lavaröhren-System auf Pico

Gruta das Torres - Eindrucksvolle und eine der längsten Lavaröhren Europas - Pico, Azoren

Die Gruta das Torres ist ein eindrucksvolles Höhlensystem auf Pico & eine der längsten Lavaröhren Europas. Auf einem Führung durch einen Teil dieser Lavaröhren und Tunnel können, lernt der Besucher verschiedene Arten von Lavastrukturen kennen und erfährt vieles zur vulkanischen Geschichte der Azoreninsel Pico.

Die Gruta das Torres spiegelt ein Stück Entstehungsgeschichte der Azoreninseln wieder. Ein Spaziergang durch dieses naturbelassene Höhlensystem heißt den Ausmaßen gigantischer Urkräfte aus dem Innern der Erde gegenüberzustehen.

Ein gelungener Mix aus Schautafeln im Besucherzentrum, einem Film über die Vulkangeschichte Picos & die Führung durch die Lavatunnel sorgen für ein unvergessliches Erlebnis.

Da alle Azoreninseln und damit das ganze Azoren Archipel vulkanischen Ursprungs sind – mehr als 1.700 Vulkane -, gibt es unzählige Höhlensysteme und Lavatunnel in Form von Grotten, Algares und Spalten auf den Azoren. Teile der schönsten und geologisch interessantesten, bekannten Höhlensysteme sind für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ausblick auf den wunderschön gelegenen Lagoa Rosada - Traversal im Hochland von Pico, Azoren

Den unterirdischen Höhlen entsprechen Kraterkessel, Kraterseen, Thermalquellen, Fumarolen auf der Oberfläche und Geothermalquellen im Meer.  2013 wurden deshalb die Azoren – mit über 120 Geo-Fundstellen einzigartig auf der Welt – zum UNESCO Geopark (Gebiet, in dem Erdgeschichte erlebbar wird) hinzugefügt.

 

Grutta das Torres – Höhle der Türme – längster Lavatunnel Europas

Lavaröhren und (Tropfstein-)Höhlen sind imposante Zeitzeugen des vulkanischen Ursprungs auf den Azoren. Jede der Lavatunnel und Höhlen hat ihren besonderen Charakter und ist ein Besuch wert. Von den Höhlenabschnitten, die dem Besucher zugänglich sind, kann die Gruta das Torres sicher nicht mit der schönsten, gigantischsten Höhle – der Algar do Carvão auf Terceira – mithalten.

Algar do Carvao - Aussichtsplattform im oberen Bereich mit Blick auf die Kathedrale - Terceira - Azoren

Südlich von Madalena an der äußeren Westflanke des Pico Alto, dem Wahrzeichen der Insel und dem höchsten Berg Portugals liegt die Gruta das Torres (übersetzt: Höhle der Türme).

Das was die Gruta das Torres ausmacht, liegt für den Besucher zum Großteil im Verborgenen: sie ist nämlich die längste Lavaröhre auf den Azoren, zählt zu den längsten Lavatunneln in Europa und ist sogar weltweit bedeutend.

Gruta das Torres - Abstieg zur Höhle und in den Lavatunnel - Pico, Azoren

Die Gruta das Torres hat eine Länge von 5.150 m, von denen ca. 450 m auf der Führung durch die Lavaröhre entdeckt werden können. Die gesamte Lavatube hat ein Gefälle von ungefähr 200 Höhenmetern.

Das Gruta das Torres Höhlensystem entstand entstand primär aus einer Reihe von wiederkehrenden Pāhoehoe-Lavaströmen (heiß, schnellfließend), die vor etwa 500 bis 1500 Jahren aus dem Vulkan Cabeço Bravo stammten. Später folgte auch sogenannte ʻaʻâ-Lava (Brockenlava, zäh fließend).

Gruta das Torres - Riesiges Lavatunnel-System mit zahlreiche kleine Seitenarme - Pico, Azoren

Die Lavaschläuche der Grotte der Türme haben eine Breite von 0,5 bis 22 Metern und eine Höhe zwischen 1 und 15 Metern.

 

Gruta das Torres: empfindliches  Schweizer-Käse-Höhlensystem

Niemand weiß, wann genau die Gruta das Torres entdeckt wurde. Das Höhlensystem wurde aber erst ab 1990 erforscht. In den folgenden zwei Jahren wurde die Höhle der Türme von der Organisation  Montanheiros, Albino Garcia sowie von C. Thomas im Jahr 1994 erforscht. Heute weiß man, dass das gesamte Gebiet in der Region um die Gruta das Torres unterirdisch wie ein Schweizer-Käse aussieht und die dünnen Lavadecken hochempfindlich sind.

Gruta das Torres - Umgebung voller Lavatunnel: eine Schweizer-Käse-Formation - Pico, Azoren

Zum Teil sind die Decken der Lavaröhren nur wenige Meter tief. Mehr und mehr von dem Farmland rund um die Gruta das Torres wurde aufgekauft oder auch geschenkt. Schwere Traktoren oder Lastwagen dürfen jetzt hier nicht mehr fahren, um das fragile Höhlensystem nicht unnötig zu gefährden.

Gruta das Torres - Lavabrücken, Skylights, Dachfenster: Bruchstellen an der Oberfläche der Lavatunnel - Pico, Azoren

Weil bereits am Eingang des Lavatunnels schon so viel Vulkangeschichte zu entdecken ist, wurde entschieden die Gruta das Torres als Touristenattraktion öffentlich zugänglich zu machen. 2004 wurde die Höhle als Regional Natural Monument eingestuft.

 

Das Besucherzentrum der Gruta das Torres

Das Besucherzentrum, das sich harmonisch in die Landschaft integriert, ist eine architektonische Glanzleistung und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Wie ein Schneckengehäuse dreht sich das Besucherzentrum zu Beginn in die schützende Mauer um die beiden Eingänge der Gruta das Torres. Damit wird versucht die Höhle vor Beschädigung und Vandalismus zu bewahren.

Die „currais“ – so werden die Weinfelder begrenzenden Trockenmauern genannt, die u.a. dem Weinanbau von Pico den UNESCO Welterbe eingebracht haben – dienten als Vorbild beim architektonischen Entwurf des innovativen Besucherzentrums. Bei dem puristisch modernen Bau ist schon das Gebäude der Weg.

Gruta das Torres - Besucherzentrum: puristisch, preisgekrönte Architektur - Pico, Azoren

Im Innern durchfluten natürliche Lichteffekte den Raum. An den Wänden des Gruta das Torres Besucherzentrums erklären große Schautafeln das entstehen von Lavaröhren und verkürzen so auf interessante Weise das Warten auf die Führung durch das Höhlensystem.

Gruta das Torres - Schautafeln im Besucherzentrum erklären Entstehung der Lavaröhren & Geologie der Insel - Pico, Azoren

Bevor es hinunter in die Höhle geht, gibt es ein kurzes Briefing. Ein kurzer ca. 15-minütigen Film gibt einen kurzen Überblick über Pico und die Vulkangeschichte der Insel. Mit Helm und Taschenlampe, die zur Verfügung gestellt werden, geht es danach hinab in die Torres-Höhle.

 

Gruta das Torres: Lavatunnel- & Höhlen-Führung

Inklusive des Films zu Beginn dauert die Führung ca. 60 Minuten. Bei der Gruta das Torres handelt es sich um eine natürlich belassene Höhle ohne Beleuchtung und allzu starke Eingriffe.

Die Führung durch diesen langen Lavatunnel startet bei der Hauptöffnung – dem  Algar da Ponte. Über angelegte Treppen gelangt der Besucher über verschiedene Terrassenstufen und Lavadecken-Brücken hinab in die Höhle.

Gruta das Torres - Höhle der Türme: Abstieg in einen der bedeutendsten Lavatunnel Europas - Pico, Azoren

Die Höhlen-Führung erfolgt je nach Zusammensetzung der Gruppe in portugiesischer und englischer Sprache. Pico ist noch eine recht untouristische, sehr ursprüngliche Azoreninsel. Es ist daher nachzusehen, dass die freiwilligen Guides teilweise nicht sehr gewandt sind in der englischen Sprache.

Gruta das Torres - Führung durch den Lavatunnel: eine der längsten & bedeutendsten Lavaröhren Europas - Pico, Azoren

So wird zwar immer alles knapp in Englisch erklärt, aber die langen Erzählungen bleiben, je nach Führer, denen vorbehalten, die portugiesisch verstehen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich in einer Gruppe war, wo außer mir nur noch 2 Deutsche und ein Engländer war und die große Mehrheit Portugiesen.

Guided Tour - Gruta das Torres: längstse Lavaröhren-System Europas - Pico, Azoren

Ansonsten empfehle ich ein bisschen Zeit für die Schautafeln im Besucherzentrum einzuplanen und meinen Beitrag zu lesen, um einen komprimiertes Verständnis des Höhlensystems zu bekommen. Konkrete Fragen werden dann auch gerne und verständlich in englisch erklärt.

 

Die Vegetation der Gruta das Torres

Von einer Baumvegetation, wie sie an der Oberfläche zu finden ist, geht die Vegetation mit dem fehlenden Licht immer mehr in weniger entwickelte, anspruchslosere Pflanzenformen über.

Schon der Abstieg hinunter in die zu der eigentlichen Lavaröhre lässt den Besucher staunen. Durch vermutlich übereinanderliegende Lavaröhren sind verschiedene Stufen entstanden.

Die Lavadecken sind teilweise eingestürzt und haben so den Zugang zur eigentlichen Haupt-Lavaröhre überhaupt freigeben. Angelegte Treppen erleichtern den Abstieg zum Lavatunnel.

Dazwischen geht es unter noch übrig gebliebene Brücken aus Lavagestein hindurch. Überall wo das Tageslicht noch hinkommt, finden sich Bäume und Büsche.

Dann weichen die Bäume immer mehr den Moosen und Flechten, die sich noch tiefer unten an den Außenwänden bis zur Öffnung des Haupt-Lavatunnels befinden.

Im Innern der Gruta das Torres sind dann in der völligen Dunkelheit nur noch Bakterien, schimmelartige Pilzvegetationen und typische Höhleninsekten zu finden, darunter auch einige endemische Arten.

 

Geologische Formationen der Gruta das Torres

Die auf einer Höhe von 285 m gelegene Gruta das Torres besteht aus einem großen Haupt-Lavatunnel mit einer Höhe bis zu 15 m. Die Torres-Höhle bildet mit seinen vielen verschiedenen Nebentunneln ein großes Höhlensystem. Die Nebeltunnel gehen entweder von der Haupt-Lavaröhre ab oder kleine Lavatunnel liegen auch noch oberhalb der Hauptröhre.

Nicht nur die Länge macht die Gruta das Torres so bedeutend, sondern auch die vielfältige geologischen Formationen und Strukturen.

So können schon kurz nach dem Eingang im Innern der Gruta das Torres verschiedene Strukturen wie Stalaktiten und Stalagmiten, ganze Lavabänke, Lavabälle, geriefte Wände, Blocklava und Pahoehoe-Lava entdeckt werden.

Ein besonders Highlight und eine Seltenheit sind die verschiedenen, koexistierenden Erscheinungsformen der Lava auf dem Boden der Lavaröhre.

An den Oberflächen bzw. dem Boden der Gruta das Torres lässt sich die Beschaffenheit der Lavaströme noch heute ablesen. Hochglänzende, glatte Formationen zeugen von schnell fließender Lava (Pahoehoe-Lava).

Während die zäh fließende Lava (ʻAʻā-Lava oder Blocklava) zu rauen, unregelmäßig, scharfkantige Spitzen –  biskuitähnliche Erstarrungen geführt hat.

Im Vergleich zur Pāhoehoe-Lava fließt die ʻAʻā-Lava langsamer und ist kühler. Häufig befindet sich die ʻAʻā-Lava im unteren Teil von dünnflüssigen Lavaströmen, weil durch Ausgasung und Abkühlung die Zähigkeit zunimmt.

An den Seitenwänden zeichnet sich das Niveau des längere Zeit existierenden Lavastroms ab – eine Art Rallye-Streifen.

 

Wie entsteht eigentlich eine Lavaröhre / ein Lavatunnel?

Damit Lavaröhren – auch Lavahöhlen, Lavagrotten oder Lavatunnel – bei Vulkaneruptionen entstehen können, muss folgendes gegeben sein: relativ dünnflüssige, schnell fließende Lava (Pāhoehoe-Lava) und ein Gefälle von einigen Grad Hangneigungswinkel – Voraussetzungen wie man sie am häufigsten bei Schichtvulkanen findet.

Gruta do Natal - Gewölbe & Gänge - Terceira - Azoren

Fliest die dünnflüssige, bis zu 1200° C heiße Lava während eines Ausbruches in einer Gesteinsrinne, Schlucht oder einem Felskanal den Vulkanhang hinab, ist die Fließgeschwindigkeit und damit die Temperatur der Lava an den Rändern und an der Oberfläche des Lavastroms am geringsten. Ausgehend von den Rändern der Lavarinne wächst somit eine Art Dach über dem Lavastrom. Dieses Dach wird umso dicker wird, je länger der Lavastrom als ganzer anhält.

Wie entstehen eigentlich Lavatunnel, Lavaröhren, Höhlen? - Passenger On Earth

Die zur Decke erstarrte Kruste bildet zusätzlich eine thermische Isolierung, so dass der heiße Lavastrom in den darunter liegenden Kanälen noch kilometerweit von der ursprünglichen Eruptionsquelle entfernt weiterfließen kann.

Nach und nach wird der Lavastrom nachlassen. An der Decke bilden sich eine Art Lava-Tropfsteine oder auch Lava-Stalaktiten. Nach dem Versiegen verblieben die Lavaröhren als Hohlräume.

Lavastrom Skylight, Dachfenster, Krustenöffnungen - Entstehung von Lavatunnel - Passenger On Earth
(Foto nur animierte Illustration)

Dort wo die Lavaröhren-Decke nur sehr dünn ist, kann sie noch während des Ausbruchs oder später einbrechen. Die Oberlichter, Dachfenster oder auch Skylights machen die Höhlen und Lavatunnel für uns erst sichtbar und erforschbar.

 

Meine Tipps:

  • Leider ist Fotografieren mit Stativ in der Gruta das Torres nicht erlaubt. Und mit Taschenlampe in der einen Hand und Kamera in der anderen, waren einfach keine besseren Fotos in der Höhle machbar. Also am besten machst du dir selbst ein Bild.
  • Die Gruta das Torres ist ganzjährig geöffnet. Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen, Kontakt & Adresse der Gruta das Torres findest du hier. Vor allem in der Hochsaison lohnt es sich eine Führung zu reservieren, weil sie doch schnell ausgebucht sind.

Anfahrt von Criação Velha zur Gruta das Torres über Weiden, Farmland und Ausblick auf den Pico Alto - Pico, Azoren

  • Anfahrt zur Gruta das Torres: Am besten erreichbar ist die Höhle der Türme von dem kleinen Ort Criação Velha aus, der an der Pico umrundenden Küstenstraße ER1 südlich von Madalena liegt. Vorbei an Weideflächen mit bestimmt glücklichen Kühen und Blick auf den Pico wird ca. nach 4 km nach dem Abzweig von der Küstenstraße die Höhle der Türme erreicht.
  • Zu den wohl bekanntesten Highlights auf Pico gehört auch das zum Weltkulturerbe ernannte Weinanbaugebiet. Was das Weinanbaugebiet mit seinen uralten kleinen Trockenwällen so einzigartig macht & wo sich die schönsten von ihnen befinden, kannst du hier nachlesen & ansehen: Pico Weinanbau & Welterbe: Wo Weine in Labyrinthen aus Lavamauern wachsen

  • Noch weniger touristisch als Pico ist die Azoreninsel Terceira. Sie hat mit ihrer wilden, unberührten Ursprünglichkeit viel grandiose Natur zu bieten. Ein Highlight von Terceira, vor allem aber die schönste und faszinierendste Höhle für Besucher ist die Algar do Carvão. Seltene Tropfsteine und gigantische Ausmaße mit einem unterirdischen kleinen See machen sie zu etwas Märchenhaften. Mehr dazu und zu dem Lavatunnel Weihnachtshöhle findest du hier: Algar do Carvão, Gruta do Natal & Furnas do Enxofre – Höhlen & vulkanisches Terceira

Gruta Algar do Carvao - Atemberaubend schöne und riesige Höhle auf Terceira - Azoren

   

 

 

 

 

 

Kannst du diese „höhlische Neugier“ mit mir teilen? Die Gruta das Torres ist definitiv ein interessante Pico Erlebnis. Fragen,  deine Tipps? Ich freue mich auf deine Kommentare am Ende dieses Beitrages!

 

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One Comment on “Gruta das Torres : Bedeutendes Höhlen- & Lavaröhren-System auf Pico

  1. Das sieht nach einem sehr spannenden Ort aus! Hast Du das Fenster zur Lava so gesehen und besuchen können? Wow, so beeindruckend. Ich war schon länger nicht mehr in einer Höhle, das wäre auch wieder einmal eine Idee… Liebe Grüsse, Miuh

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