Husky Abenteuer – Lappland: Teil 2 – Hundeschlitten Touren mit Expeditionscharakter

Husky Schlitten - Abenteuer Lappland

Von Hundeschlitten Touren in Lapplands Wildnis & dem Gefühl bei -30 Grad im Schnee zu übernachten

In Teil1 meines Husky Abenteuers kannst du miterleben, wie ich das Schlittenfahren erlernt habe und wie überwältigend sich die ersten herrlichen Hundeschlitten Touren anfühlen. Dies alles diente der Vorbereitung für die große 6tägige Schlittentour.

Die Nacht vor der großen Ausfahrt wird dominiert von wirren Träumen. Alles dreht sich dabei natürlich um Hundeschlitten Touren: Wildnis, Huskies, Abenteuer, Kälte und Gefahren, die ich zum Glück alle heldenhaft meistere. Wie es sich die nächsten Tage herausstellen wird, habe ich vielleicht ja sogar diese Realität mit meinen Träumen erschaffen  😛

Der Plan ist 5 bis 6 Tage unterwegs zu sein. Die Tour verläuft auf offiziellen Hundeschlitten Tracks mit voraussichtlich Tagesetappen von 35 bis 50 km. Für die Übernachtung stehen öffentliche Hütten entlang der Route zur Verfügung und das Zelt: Es gibt keine Versorgung, geschweige denn Einkehrmöglichkeiten, auf der Tour.

Pascal hat mich 2 mal ermahnt nur das wichtigste einzupacken: Zahnbürste, Unterwäsche und einmal Fleece Pullis und Hose zum Wechseln, Stirnlampe, Taschenmesser. Zweidrittel des Hundeschlitten- Packsackes machen die 50 Liter Trockenhundefutter aus. Der Rest steht dann für einen Schlafsack, ein Rentierfell, das als Isomatte dient, Schneeschuhe, unsere Kleidung und unser Essen zur Verfügung.

Wir suchen uns Nahrungsmittel zum Mitnehmen aus, die weder erfrieren können und schnell zubereitet werden können. D.h Wurst, Brot, geräucherter Schinken, Tütensuppe, Tee, Müsli Riegel – an mehr kann ich mich zumindest nicht erinnern.

Gegen 11 Uhr morgens ist der Schlittensack voll gepackt. Pascal benötigt sogar noch einen Rucksack, weil er Hundefutter für 8 Hunde, die “Stakeouts”, Schaufel und Hundegeschirr mitnimmt. Ein Stakeout ist eine lange Leine, an der im Abstand von 1,5 m immer jeweils zwei Hunde angebunden werden.

Das war’s! Allmählich dämmert mir was mit Hundeschlitten Touren mit “Expeditionscharakter” gemeint ist  😆

Hundegeschirr - Husky Abenteuer Schlittentour Lappland

Das von den Ausfahrten der letzten beiden Tage bereits eingespielte Sibirische Husky-Team wird angeschirrt unter Ohren betäubenden Protesten, Geheule und Gebelle aller anderen Huskies, die zurück bleiben müssen und damit nicht einverstanden sind. Eine Situation, an die ich mich auch nach 3 Tagen noch nicht gewöhnen will. Ich habe tatsächlich das Gefühl, sie nehmen das persönlich und mir sehr übel. Und man weiss ja nie, unter welchen Umständen man sich vielleicht wieder begegnet  🙄

Die vorbereiteten Huskies werden an die Tuglines (Zugleinen) eingehängt. Jetzt stimmen auch sie in das Geheule und Gebelle der anderen Huskies mit ein, springen und reißen an ihren Leinen. Ihre Motivation ist Begeisterung und Nicht-Erwarten-Können, dass es losgeht. Ich weiss nicht, ob je ein Mensch eine solche Begeisterung für seinen Job gefühlt hat, wie die Huskies zum Laufen. Zumal es ja noch nicht einmal ein freies Laufen ist, sondern sie ziehen richtig viel Gewicht. Und jetzt kommen noch einmal ca. 30 kg mehr dazu. Das ist eine so beachtliche Leistung der wilden, kurzfüßigen Lauf-Athleten, dass ich ein etwas schlechtes Gewissen und eine Riesen-Hochachtung habe!

Endlich kann es losgehen! Mit einem Ruck setzt sich der Schlitten in Bewegung. Auch heute erwartet uns wieder ein Bilderbuchtag! Sonne, kaum -20 Grad, ein Paradies in reinstem Weiß.

Husky Adventure Lappland - Hundeschlitten Touren

Den ersten Teil der Strecke kenne ich bereits. Ich merke, dass der Schlitten durch sein Packsack-Gewicht etwas schwerer zu steuern ist. Er fühlt sich nicht mehr so agil an, wie die Tage zuvor und die Kufen schneiden sich tiefer in den Schnee.

Die Fortbewegung wirkt ein bisschen gedämpfter, schwerer, ruhiger? So bleibt mir gefühlt mehr Zeit, die Umgebung noch tiefer einzuatmen, aufzunehmen, um dann mit ihr zu verschmelzen – es existiert nur noch Stille und ewiges Weiß. Ein paar Tränen kullern über mein Gesicht und ich kann nicht sagen, ob es die Dankbarkeit ist, die mich gerade rührt, ob es Glückstränen sind, weil es hier so unfassbar schön ist oder – für die weniger romantischen unter euch – vielleicht einfach der kalte Fahrtwind? Ich bevorzuge die ersten beiden Auslöser  😛

Ich fühle, wie sich die weiße Weite Lapplands, das beständige Getrappel der Husky Pfötchen im Schnee, das knirschende Ziehen der Kufen durch den halb-gefrorenen Schnee, die tief stehende Sonne, die Eiskristalle, die wie Diamanten in der Luft tanzen und der kalte Wind in meinem Gesicht, sich für immer in meine Reiseseele einfrieren. Ein so intensives Glücksgefühl kann niemand je wieder vergessen!

Husky Abenteuer Lappland - Hundeschlitten Touren

Wir passieren die ersten Schneewälle. Der Schlitten hebt immer noch ab. Vom sanften Aufkommen ist heute nicht viel zu spüren. Es fühlt sich eher an wie ein Ächzen und Verziehen des Schlittens in der Luft und dann ein dumpfer, harter Rückstoß beim Aufprall im Schnee, unter welchem sich die Schlittenglieder kurz sortieren und ihre Fahrt wieder aufnehmen.

Der Aufprall des Schlittens, schüttelt auch meine Tag-Träumereien ab und meine Aufmerksamkeit gilt wieder den Hunden und der Landschaft.

 

Tiefschnee & kein Track – bedeutet Schneeschuhe auspacken und Spuren für die Schlittenhunde

Der Wind nimmt zu und treibt Wolken vor sich her. Es fühlt sich kälter an. Der Track führt ein kleinen Berg hinauf. Es ist von vorne herein klar, dass die Hunde nicht mich und das Mehrgepäck ziehen können. Also springe ich von den Kufen, halte mich am Schlitten fest und renne „einfach“ mit. Wobei einfach leicht untertrieben ist 😉  Ich sinke bei jedem Schritt, trotz der klobigen Boots, jedesmal über die Knöchel ein. Die Hunde geben ein schnelles Tempo vor, jetzt wo ich nicht mehr auf dem Schlitten stehe. Und ich will nicht klagen: trotz des Einsinkens im Schnee war ich noch nie so schnell auf einen Berg gerannt.

Danke, dass die Berge nur kleine Hügel sind in Lappland! 😆

Verschneite Anhöhe - Husky Schlittentour in Schwedisch Lappland

Wir treten aus dem Schutz des Waldes auf eine flache Anhöhe. Der Wind hat aufgefrischt und peitscht durch das Nichts. Nass geschwitzt vom Bergrennen, atemlos und gleichzeitig fröstelnd versuche ich einen Track zu erkennen. Aber da ist kein Track mehr. Der Schnee hat alles verblasen. Ein paar verlassene Wegweiser zeigen gelangweilt in irgendeine Himmelsrichtung.

Ein anderes Gesicht von Lapplands Weite, das mich spontan erschauern lässt.

Kein Track - Husky Schlittentour Lappland

Die Hunde können im Tiefschnee nicht den schweren Schlitten und uns ziehen. Sie sinken zu tief in den Schnee ein und müssten bei jedem Schritt sozusagen aus dem Schnee springen. Nach kurzer Zeit wären sie so erschöpft, dass gar nichts mehr geht.

Also packen wir unsere Schneeschuhe aus, binden uns ein Seil um den Bauch und klicken das vordere Ende des Hundegespanns ein. Wir spuren also für die Huskies 🙂

Erst den Berg hinaufrennen und dann mit Schneeschuhen im Tiefschnee für die Hunde spuren. Es scheint die Expedition beginnt. Gegenwind und Seitenwind erschweren das Gehen. Meine Beine fühlen sich müde an.

Für die geplante Tagesetappe müssten wir noch Stunden weitergehen und es wird bald dunkel. Pascal findet einen anderen Track, der durch den nahegelegenen Wald führt und ein wenig windgeschützter ist. Wir trampeln zum Wald und dann können wir endlich wieder auf die Schlitten stehen. Wow – nach so einem Marsch durch den Tiefschnee, fühlt sich Schlittenfahren noch viel toller an!

Verschneite Wäler - Husky Abenteuer Lappland - Hundeschlitten Touren

 

Übernachten bei -28 Grad im Schnee – Huskies sind da eindeutig im Vorteil!

Kurze Zeit später fahren wir an einer “Vinds Hytt” vorbei und Pascal beschließt, dass wir hier übernachten. Er behauptet, dass das Übernachten im Freien bei -28 Grad auch nicht kälter ist als im Zelt. Ich bezweifle das, bin aber zu müde um zu widersprechen. Wenigstens müssen wir dann kein Zelt mehr aufbauen.

Lappland Wildnis Vinds HyttVerwackelt – sorry … beim Fotografieren vor Kälte gezittert 😎  und ich möchte euch das Foto nicht vorenthalten

Zuerst werden immer die Hunde versorgt. Pascal packt die Stakeouts aus und befestigt sie zwischen den Bäumen. Die Hunde werden in die Leine eingehängt. Ein Stakeout wird benutzt, um die Huskies über Nacht oder bei längeren Pausen vor Streitigkeiten mit den anderen Huskies zu schützen und um sicher zu stellen, dass sie am nächsten Morgen auch noch da sind und sie sich nicht ihre eigenen Abenteuer suchen  😀

Da wir den ganzen Tag an keinem Flusslauf vorbeikamen, haben wir kein Wasser für die Hunde und müssen für 14 Hunde alles Wasser durch Schneeschmelzen gewinnen. Was mit unseren Hilfsmitteln fast 2 Stunden dauert.

Übernachten im Freien - Lappland Husky Abenteuer

Es ist schon lange dunkel und endlich sind die Hunde mit Wasser und Futter versorgt. Ich bin inzwischen hunde-müde und mir ist richtig kalt. Pascal kann ein paar kleine Ästchen mit seiner Axt zusammenhacken. Die Äste sind aber nass vom Schnee. Sie qualmen, wollen aber nicht brennen. Lagerfeuer fällt somit aus. Wir machen uns ein paar Wiener warm, dazu Tee und als Dessert gibt es Müsli Riegel und Hände wärmen über dem Benzin-Kocher.

Ich schmeisse das Rentierfell auf den Schnee. Darauf ein alter, schwerer Bundeswehr-Schlafsack. Ich bemerke bibbernd, dass meine Fleece Pullis feucht sind und wechsle sie gegen zwei trockene Exemplare aus. Dann verkrieche ich mich in den Schlafsack. Ich lasse den Tag Revue passieren in meinen Gedanken und bin ganz mächtig stolz auf mich.

Ich versuche einzuschlafen. Aber ich friere nur. Anorak ausgezogen, als Decke benutzt, wieder angezogen, auf den Rücken, dann zur einen und anderen Seite gedreht. Überall ist es kalt. Stunden vergehen. Ich döse gefühlte 10 Minuten, dann fühle ich, dass meine Füße eiskalt sind. Als ich mich auf das Rentierfell gelegt habe, ist mir nicht aufgefallen, dass das Fußende des Schlafsacks im Schnee liegt. Jetzt erst merke ich, dass meine Socken noch feucht sind vom durch den Schnee stampfen, dazu ein angefrorenes Schlafsackende. Ich ziehe meine Beine hoch auf das kurze Rentierfell.

Die Alternative wäre aufstehen und den ganzen Schlittensack umgraben um dann vielleicht die trockenen Socken zu finden. Meine Begeisterung weicht der Kälte und macht Missmut platz. Ich verharre frierend und warte den Morgen ab. Völlig gerädert, schlotternd, unterkühlt und inzwischen vor mich hin grantelnd begrüßt mich nach gefühlten 30 Minuten Schlaf der nächste Morgen.

Toll – endlich aufstehen, bewegen, Tee kochen und auf die wärmenden Sonnenstrahlen warten. Meine Laune wird mit jedem Schluck heißem Tee besser. Gesprächig bin ich dennoch nicht. Ich bin ein bisschen neidisch auf die munter aussehenden Huskies, die wie ein Wollknäuel zusammengerollt die ganze Nacht im Schnee verbracht und lustig, tief und fest von ihren Hundeabenteuern geträumt haben. Wir versorgen die Hunde mit Futter und Wasser und packen zusammen.

Husky Schittentour Lappland - früh morgens

Die Hundehäufchen werden morgens brav mit einer Schaufel zusammengetragen und im Wald unter dem Schnee vergraben. Eine schöne Geste für jeden, der später zu diesem Platz kommen wird.

Inzwischen ist mir wieder warm. Die Sonne scheint und die Fahrt kann weitergehen. Ich atme tief und strecke und drehe mich der Sonne entgegen. Wie wohltuend – es ist noch nicht die Wärme, sondern meine Assoziation mit Sonne, die mich an diesem Morgen wärmt und es hilft  😀

Wir ziehen heute viele Kilometer über weite Ebenen, durch Wälder und vorbei an Flussläufen. Ich genieße die Stille und für mich zu sein. Dank der flinken Hundebeine zieht die Landschaft Lapplands an mir vorbei wie in einem Film. Meine Begeisterung ist längst zurück und ich singe und summe fröhlich – und vermutlich falsch – vor mich hin und die Hunde scheinen nichts dagegen zu haben.

Husky Sledge Tour Swedish Lappland - Hundeschlitten Touren

Wir kommen an einem Wasserloch vorbei und Pascal kann die Kanister mit Wasser füllen. Zwei Stunden Wasserschmelzen weniger heute Abend – wie cool!!!

Wasserloch - Husky Schittentour Lappland

 

Selbst die einfachste Hütte in Lapplands Wildnis ist eine willkommene Alternative zum Schnee

Gegen halb drei Uhr kommen wir zu einer der Hütten, wie sie immer wieder in der Wildnis Lapplands zu finden sind. Es sind öffentliche Hütten mit ein paar Stockbetten, die Wanderern im Sommer und Mushern (Schlittenhundführern) im Winter einen Platz zum Übernachten bieten. Sie sind weniger als einfach ausgerüstet. Aber diese Nacht nicht im Schnee zu liegen, lässt leicht über den Mief und die versifften Matrazen hinwegsehen. Rentierfell drauf, Schlafsack drüber und Komfortbereich erweitern  😎

Öffentliche Hütte - Lappland Husky Schittentour

Es gibt sogar einen kleinen Ofen. Irgendwie funktioniert der Abzug allerdings nicht und der ganze Qualm drückt zurück in den Raum. Ich ziehe die Kälte dem Ersticken vor  😆

Vor der Hütte liegt fast trockenes Holz, das wir benutzen dürfen. Wir machen draußen ein richtig schönes, großes, warmes Lagerfeuer. Kochen auf mit Gemüse und Würstchen – genau so hatte ich mir das vorgestellt!

Lagerfeuer - Lappland Husky Schittentour

Es ist zwar sehr kalt in dem Häuschen. Aber eben nur kalt nicht eisig. Meine Kleidung ist trocken und ich schlafe tief und fest. Ich wache mit bester Laune und einem Lächeln auf. Wir frühstücken in aller Ruhe, packen und ziehen weiter.

Am frühen morgen - Lappland Husky Abenteuer

Die heutige und morgige Etappe führt großteils über die gefrorenen Seen Lapplands. Als wir jedoch am See ankommen, sehen wir, dass er nicht mehr komplett gefroren ist. Die Stellen, wo das Wasser am reissendsten ist, sind bereits offen.

Es ist zu gefährlich, weil nie vorausgesagt werden kann, wie brüchig oder stark die Eisfläche unter dem dicken Schnee ist. Der Plan wird geändert und wir nehmen einen Treck, der querfeldein zu einem parallelen See bzw. Wasserlauf führt.

Eis-See in Schwedisch Lappland

 

 

Die Kälte-Konditionierung erfolgt schnell in Lappland

Damit wird es allerdings auch heute nacht wieder keine Hütte zum Übernachten geben. Die Alternative ist dann wieder “Vinds Hytt” oder Zelt. Wir passieren eine Schutzhütte, die an einem herrlich schönen Plätzchen liegt und bleiben hier.

Auch heute haben wir natürlich Wasser für die Hunde mitnehmen können, was das spätmittägliche Prozedere wesentlich einfacher macht. Pascal findet etwas Holz und wir können ein Lagerfeuer machen.

Windschutzhütte - Husky Abenteuer Lappland

Ein Tee und eine warme Suppe tut gut. Denn sobald ich mich nicht mehr bewege, wird es ganz schnell ganz schön kalt. Aus der Erfahrung von der ersten Nacht weiss ich, dass ich genau darauf achten darf, dass meine gesamte Kleidung trocken ist, bevor ich mich in den Schlafsack verkrieche und dass ich an das Fußende einen Plastiksack lege, damit mein Fußende nachts nicht in den Schnee eintaucht. Lesson learned!

Das Rentierfell ist übrigens grandios. Es riecht zwar immer noch wie Rentier, aber die vielen Haare bieten tatsächlich eine so hervorragende Isolierung und einen Wärmespeicher, bei der eine Isomatte nicht mithalten könnte.

Ich wache auch diese Nacht immer wieder auf, weil ich friere. Finde dazwischen aber auch immer wieder ein bisschen Schlaf. Wahrscheinlich gewöhnt sich mein Körper gerade an die Kälte. Noch eine Woche im Schnee bei knapp -30 Grad und ich bin kälteresistent und kann mich auf den Weg zum Mount Everest machen 😛

Irgendwie macht mich das Schlafen im Schnee zum Frühaufsteher. Trotz des bisschen Schlafs kann ich es kaum erwarten, dass es hell wird. Mit mir gräbt sich auch der ein oder andere noch zusammengerollte Husky aus den nächtlichen Schneeverwehungen. Im Gegensatz zu mir, scheint ihnen das allerdings nichts auszumachen.

Wir machen ein kleines Feuer um meine bleiernen Knochen aufzutauen, dazu einen heißen Tee. Ich kann fühlen, wie sich mit jedem Schluck die Wärme im Körper ausbreitet. Ein sehr schönes Gefühl!

Wir versorgen die Huskies. Beim Zusammenpacken wird auch mir wieder richtig warm. Und immer grüsst der Sonnenschein! Wir starten schon wieder in einen wunderbar sonnigen Tag.

Husky Adventure Lappland

 

Wenn das Eis auf den Seen bricht, bedeutet dies gleich Umwege in der Größenordnung von Tagestouren

Wir durchstreifen tief verschneite Wälder, ziehen über weite weiße Ebenen und über Anhöhen um dann nach wenigen Stunden auf einem weiteren gefroren See bzw. Wasserlauf zu stehen. Leider gibt es auch hier viel zu viele offene Stellen, was ein Weiterkommen in unsere ursprünglich geplante Richtung unmöglich macht.

Nach kurzen Abwägen folge ich dem Vorschlag von Pascal zurück zu seiner Wilderness Lodge zu fahren und die letzten verbleibenden Tage von dort aus wieder Tagestouren zu unternehmen. Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mein Widerstand nicht allzu heftig aus.

Husky Sledge Adventure Lappland

Wie bei einer Fata Mogana taucht eine heiße, dampfende Dusche vor mir auf, ich spüre die prickelnden Tropfen auf meiner Haut, rieche den Duft des Duschgels. In meiner kleinen Holzhütte knistert und knackt das Feuer. Es ist warm. Schlafen ohne Anorak, ohne Mütze, ohne Handschuhe in einem sauberen, warmen Bett.

Bin ich etwa doch ein Weichei, Warmduscher oder Kuscheldecken-Liebhaber?

Ich erwidere Pascal mit einem gedämpften etwas traurigen: “Naja, wenn wir nicht weiterkommen, dann müssen wir wohl zurück fahren”. Kaum habe ich den Satz ausgesprochen, verzieht sich mein Gesicht zu einem breiten Grinsen. Ich muss mich beherrschen. Am liebsten würde ich wie ein Indianer tanzend, jubelnd, siegessicher und voller Vorfreude den Großen Dankbarkeitstanz um den Schlitten und die Hunde aufführen.

Um überhaupt noch heute wieder zurückkommen zu können, müssen wir erst einige Kilometer auf dem See fahren. Pascal fährt vor. Wenn bei ihm die Eisdecke hält, dann sollte sie auch bei mir halten? Immer wieder fahren wir über offene Risse. Zweimal müssen wir offene Wasserstellen am Seeufer queren.

Icy Lake - Husky Sledge Adventure Lappland

Dabei kommt das große Musher-Herz von Pascal zu Tage und weicht seinem Touri-Guide-Herzen. Eine Stelle ist nicht mit dem Schlitten und den Hunden passierbar. Die Huskies müssen also abgeleint werden und teilweise vorsichtig über das brüchige Eis geschoben oder getragen werden. Pascal sagt, ich solle die zappelnden Hunde einzeln über das brüchige Eis tragen. Für ihn ist es natürlich schlimmer, wenn der Husky einbricht als sein Gast. Ich widerspreche ihm zum ersten Mal in aller Deutlichkeit.

Stattdessen hangle ich mich zwischen aufgeworfenen Eisschollen, fliessendem Wasser und Schnee durch. Alles wenig Vertrauen erweckend. So könnte es funktionieren. Nach und nach reicht mir Pascal die Leinen der Huskies und mit Schieben, Ziehen und gut zureden, landet ein Husky nach dem anderen auf der sicheren Seite. Diese Aktion hat uns viel Zeit gekostet.

Von nun an geht es weiter auf festem Boden. Alles wieder ganz leicht und mit genügend Raum und Zeit zu schauen, mich zu begeistern und Unendlichkeit und Glückseligkeit gleichzeitig zu spüren.

Husky Sledge Tour in Swedish Lappland

 

Mein Rückblick: so viel mehr Komfortbereich, beflügeltes Selbstvertrauen und vor Stolz strotzend

Mit Einbruch der Dunkelheit kommen wir wieder “zuhause” an. Schnell bringe ich die Huskies in ihre Zwinger zurück. Noch schneller packe ich meinen Schlitten aus. Mittlerweile hat Moni schon ein Feuer in meinem Häuschen gemacht. Gemütlich, warm, ruhig. Eine heiße Dusche, bei der ich gefühlt meine Haut verbrenne. Ich wusste überhaupt nicht wie herrlich mein Duschgel duftet.

Husky an Tugline - Husky Abenteuer LapplandTuglines – die Huskies werden vorne und hinten an der Hauptleine angeleint, um die Schlitten am kraftvollsten ziehen zu können

Endlich nur eine Jeans anziehen und ein dickes Fleece. Moni empfängt uns in der Essküche mit dem Duft von Spaghetti Bolognese. Es gibt frischen knackigen Salat und einen schweren Rotwein dazu. Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass es mehr Luxus auf dieser Welt geben könnte.  😀

In diesem Moment fühlt sich alles komplett an! Alles im Einklang! Trotz extremer Müdigkeit bin ich viel zu aufgekratzt, um schlafen zu gehen. Wir lassen die Tage Revue passieren. Ich sortiere meine Gefühle und Eindrücke dabei. Ich bin so sehr gewachsen auf dieser Tour. Mein Komfortbereich hat sich nicht erweitert, sondern vervielfacht. Ich fühle mich wie ein Held. Ich strotze vor Selbstbewusstsein und Stolz.

In dieser Nacht habe ich so gut, so tief und so glücklich wie selten in meinem Leben geschlafen.

Die letzten 3 Tage waren Leichtigkeit und Spaß pur. Wir machten kürzere oder längere Tagesausfahrten mit Picknick, wir versuchten uns im Eisfischen und ich bekam von einem Samen Unterricht wie man Rentiere mit dem Lasso fängt und lernte einiges von seiner Kultur.

 

Lessons learned: ich bin gewachsen – in mir und vor allem mit mir und in der Wertschätzung für alles, was uns unser Leben bietet

Wenn du mich fragst, ob ich diese Husky Schlittentour mit Expeditionscharakter noch einmal machen würde? JA! Ich wachse mit jedem meiner Abenteuer. Das ist meine Motivation!

Ich habe bei dieser Tour die Erfahrung gemacht, wie sich extreme Kälte und Müdigkeit auf meine Psyche auswirken. Ich habe gelernt, dass sich mein Körper sehr schnell und sehr gut an Veränderungen anpassen kann. Erweitern von Komfortzonen bedeutet für mich freier und mutiger zu werden, selbstbewusster, stolzer und damit glücklicher. Das gilt für mich und bei dir kann sich das vielleicht ganz anders anfühlen.

Husky Adventure Lappland

Das „Back To Basic“ bedeutet auch immer ein “Reset” bzw. eine Werte Hinterfragung. Ich schätze mich und all die Kleinigkeiten in meinem Leben wieder. Selbst wenn ich länger wieder zu Hause lebe, schätze ich es und bin dankbar, eine Dusche zu haben mit warmen oder kaltem frischen Wasser, eine Toilette mit Wasserspülung, Wasser einfach aus dem Wasserhahn trinken zu können. Ich freue mich über das Gänseblümchen auf einer Wiese oder über die Erfindung des Internets 🙂

Ich genieße Alltägliches als Luxus. Ich bin begeistert von den Möglichkeiten und den Privilegien, die mir mein Leben und dieser Planet bietet.

 

Husky Abenteuer Lappland – Teil 1: Hundeschlitten Touren, ein einzigartiges Winter-Erlebnis!

Einfach auf einen Schlitten stehen und losfahren? Fast, es ist allerdings kein Auto, sondern es sind wilde, lustige Hunde, die alle ihren eigenen Charakter besitzen. Schau selbst rein 🙂

 

Lappland im Winter – Teil 3: Rentiere, Eisfischen, Polarlichter, Schneemobil & Kultur der Samen 

Hier findest du lustige Geschichten und Tipps, was du sonst noch alles im Winter am Polarkreis erleben kannst.

 

 

Hast du Lust auf eine Husky Schlittentour mit Expeditionscharakter? Oder lieber etwas gemütlicher wie in Teil 1? Abenteuer & Komfortzonen-Erweiterung ist das etwas für dich? Wie handelst du, wenn du an deine Grenzen kommst, aber weiter gehen möchtest?

Schreibe es mir in deinen Kommentaren. Ich bin gespannt!

 

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4 Comments on “Husky Abenteuer – Lappland: Teil 2 – Hundeschlitten Touren mit Expeditionscharakter

  1. Hallo Petra,
    das war schon ein riesiges Abenteuer, das du hier erlebt hast.
    Bei dieser Kälte könnte ich so was nie schaffen. Ich bewundere deine
    Energie, die du dazu aufbringst. Zum Anschauen der Bilder ist ja alles wunderschön.
    Ich bestaune dein Mut und deine Kraft wie du dies alles gemeistert hast.

    • Danke liebe Erika!

      Ja, das war es tatsächlich und bislang bleibt es auch noch mein größtes Abenteuer, wenn es um Komfortzonen-Erweiterung geht. Wahrscheinlich auch, weil einfach ganz viele Faktoren zusammen kamen.
      Und das Schöne: in der Erinnerung bleibt immer nur das tolle Gefühl und etwas neues geschafft zu haben 🙂

      Liebe Grüße, Petra

    • Danke liebe Nicole!!
      Hätte ich das damals gewusst, hätte ich bestimmt weniger gefroren und besser geschlafen 😀
      Das Schöne daran, die Kälte gerät in Vergessenheit, das Schöne an unseren Abenteuern bleibt.

      Liebe Grüße
      Petra

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